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Jan-Niclas Viebrock über Vorteile der Elektromobilität

Bild: Jan-Niclas Viebrock, CKW
Jan-Niclas Viebrock im Energieheld-Interview

Die Elektromobilität in der Schweiz ist stark im Kommen. Es gibt immer mehr Elektroauto-Modelle und Preise sinken, während die Reichweite steigt. Auch das Netz der Ladestationen war noch nie so dicht wie jetzt.

Jan-Niclas Viebrock ist Leiter Produktmanagement bei den Centralschweizerischen Kraftwerken (CKW) in Emmen. Mit mehr als sechs Jahren Erfahrung im Bereich Elektromobilität und Gebäudetechnik kennt er sich aus mit Elektroauto, Wallbox & Co.

Wir haben mit ihm über Vorteile und Trends in Sachen Elektromobilität und das Laden zu Hause gesprochen. Erfahren Sie jetzt mehr im Energieheld-Interview.


Interview mit Jan-Niclas Viebrock

Wir haben Jan-Niclas Viebrock gebeten, sich einigen Fragen zum Thema Elektromobilität in der Schweiz zu stellen. Das waren seine Antworten:

Herr Viebrock, was sind die grossen Vorteile der Elektromobilität?

Es gibt tatsächlich einige Vorteile, wenn wir von Elektrofahrzeugen sprechen. Punkt 1: Allen voran sind die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer hinweg tiefer als bei Verbrennern und sie sind auch nachhaltiger als konventionelle Fahrzeuge - besonders mit dem Schweizer Strommix. In gewissen Kantonen gibt es auch Senkungen der Fahrzeugsteuer für E-Autos oder sogar finanzielle Anreize für den Kauf. Punkt 2: E-Fahrzeuge haben lokal keinen CO2-Ausstoss und sie sind mit einem höheren Wirkungsgrad energieeffizienter als Verbrenner. Punkt 3: Wenn eine Photovoltaik-Anlage vorhanden ist, kann ich mit dem Fahrzeug einen höheren Eigenverbrauch erzielen, was die Wirtschaftlichkeit meiner Anlage verbessert und mich unabhängiger macht. Und letztlich Punkt 4: Der Fahrspass. Auch der kommt nicht zu kurz - Elektroautos haben ein hohes Drehmoment und sind sehr leise.

Welche Neuerungen gibt es im Bereich Elektromobilität und E-Autos?

Im Bereich der Elektroautos befinden wir uns in einem spannenden Prozess der Entwicklung und der Innovationen. Immer mehr Modelle kommen auf den Markt und die Reichweite nimmt zu - es gibt also immer höhere Akku-Kapazitäten. Sinkende Preise der Batterien wirken sich positiv auf die Kosten der Elektroautos aus. Und nicht zu vergessen: Die höhere Ladeleistung von öffentlichen Ladestationen, mit der das Auto schneller geladen werden kann.

Wie kann ein Kunde möglichst schnell und kostengünstig laden? Sehen Sie Verbesserungspotential bei der Ladeinfrastruktur?

Am einfachsten und kostengünstigsten ist das Aufladen eines Elektroautos zu Hause mit einer Wallbox. Die Kosten belaufen sich dann auf drei bis vier Franken pro hundert Kilometer. Ein Verbesserungspotential im öffentlichen Ladenetz sehe ich im Bereich Preistransparenz und der Höhe der Kosten durch die Roamingvereinbarung zwischen den Anbietern. Da sollte nachgesteuert werden, um die Elektromobilität noch attraktiver zu machen. Ausserdem könnten die Prozesse im Bereich Mietwohnungen und Mehrfamilienhäuser erleichtert oder beschleunigt werden, um zu einer Lademöglichkeit zu kommen.

«Am einfachsten und kostengünstigsten ist das Aufladen eines Elektroautos zu Hause mit einer Wallbox.»

Haben Sie eine Empfehlung in puncto Anschaffung eines Elektrofahrzeugs? Welche privaten Ladelösungen können Sie empfehlen und lohnt sich das Aufladen des E-Autos z. B. mit der eigenen Solaranlage?

Vor der Anschaffung des E-Autos ist es sicher sinnvoll sich zu überlegen, wie man sein Auto laden kann, also entweder zu Hause als Eigentümer oder Mieter, bei der Arbeit oder öffentlich. Ansonsten ist es praktisch genauso wie der Kauf eines konventionellen Autos. Was man selbstverständlich beachten sollte: Der grösste Teil der Ladungen findet zu Hause statt. Deshalb ist es sinnvoll, dort eine gute Lösung umzusetzen. Wenn eine Photovoltaik-Anlage vorhanden ist, lohnt es sich auf alle Fälle sein Auto mit dem Sonnenstrom zu laden. Um das zu optimieren, gibt es intelligente Steuerungen. Wenn es um Mehrfamilienhäuser geht, empfiehlt es sich eine einheitliche Lösung umzusetzen, die für alle gleich beziehungsweise fair ist. So kann das Lastmanagement und das verbrauchergerechte Abrechnen sichergestellt werden.

«Wenn eine Photovoltaik-Anlage vorhanden ist, lohnt es sich auf alle Fälle, sein Auto mit dem Sonnenstrom zu laden.»

Ist Elektromobilität nur etwas für Besserverdiener?

Es gibt schon jetzt sehr günstige Modelle wie den Renault ZOE. Aber auch insgesamt sinken die Anschaffungskosten für E-Autos aktuell und werden bald Parität zu konventionellen erreicht haben. Betrachtet man aber die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer hinweg, sind Elektroautos heute schon besser als herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Und mit Zunahme der Modelle kommen auch immer mehr Mittelklasse- und Kleinfahrzeuge auf den Markt, sodass für Jedermann etwas dabei sein wird.

Welche Zukunftstrends in Sachen E-Mobilität sehen Sie als vielversprechend an?

Es gibt einige besondere Trends im Bereich der Elektromobilität. Autonomes Fahren beispielsweise hat meiner Meinung nach ein sehr grosses Zukunftspotenzial. Noch nicht so bekannt ist die Nutzung des Autos als Batterie. Das Elektroauto gibt in dem Fall Energie aus den Akkus wieder ab - entweder zur Unterstützung des Hausstromnetzes, also «Vehicle-to-home» oder des öffentlichen Netzes, also «Vehicle-to-grid». Insgesamt geht es in Richtung Vernetzung - etwa im Zusammenspiel mit dem Smart Home.

Was müssten Industrie und Politik Ihrer Meinung nach tun, um noch mehr Elektroautos auf die Strassen zu bekommen?

Ich denke, die Politik könnte Einfluss über bauliche Massnahmen nehmen, etwa bei Baubewilligungen. So könnten bei grösseren Bauten öffentliche Ladestationen verlangt werden und im Bereich von Mehrfamilienhäusern und Tiefgaragen könnte man darauf hinwirken, dass zumindest die vorbereitenden Massnahmen - also Leistungsreserve, ausreichend Platz in der Hauptverteilung, Leerrohre undsoweiter - bei Neubauten umgesetzt werden müssen. Das würde den Ausbau später deutlich erleichtern. Aber auch die Industrie kann mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Mitarbeitern und Kunden Ladeparkplätze bieten und die Fahrzeugflotte auf elektrisch umstellen. Ansonsten würde es dem Endkunden helfen, wenn in gewissen Teilen eine Vereinheitlichung stattfinden würde. Zum Beispiel in den Abrechnungssystemen der öffentlichen Ladestationen, aber auch im Ladeverhalten der E-Autos, also 1-phasig oder 3-phasig, was dann wiederum auch Einfluss auf die Ladegeschwindigkeit hat.

Wie sehen für Sie persönlich die Innenstädte der Zukunft aus? Und für wie realistisch halten Sie diese Vision?

Ausgehend von einem Fünfjahres-Horizont denke ich nicht, dass sich eine grosse Änderung im Stadtbild ergibt. Wir werden mehr Ladestationen in Parkhäusern sehen und wohl auch mehr öffentliche Lademöglichkeiten. In Norwegen, wo wir heute schon eine hohe Dichte an elektrischen betriebenen Fahrzeugen haben, sehen wir vor allem an den relevanten Orten mit Parkplätzen Lademöglichkeiten. Darüber hinaus kommt es darauf an, wie sich die Mobilitätstrategie des jeweiligen Landes in Bezug auf öffentlichen Verkehr und wie schnell sich das autonome Fahren entwickelt.

Was entgegnen Sie Kritikern, die den mangelnden Komfort an Elektroautos bemängeln? Schliesslich muss man auf Langstrecken sehr häufig Ladestationen ansteuern.

Wer die Möglichkeit hat, daheim zu laden, muss bei den durchschnittlichen Fahrdistanzen der Schweiz sehr selten öffentlich laden. Bei Langstrecken wird man eher nicht drumherum kommen, aber grundsätzlich sollte man bei längeren Fahrten ja ohnehin mal eine Pause einlegen, die dann auch gleich mit dem Aufladen kombiniert werden könnte. Bei den heutigen Ladestationen entlang den Autobahnen kann ich in einer Viertelstunde circa 100 Kilometer Reichweite nachladen. Die Zeit kann genutzt werden, um Mails zu checken oder für ein kleine Verpflegung.

Wir danken Jan-Niclas Viebrock herzlich für seine Einschätzungen zur Elektromobilität in der Schweiz.


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